| Sekundarschule Ruli APEM |
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Und schon seit Jahren treffen sich auch die ruandischen Lehrer mit den deutschen Kollegen zum regen Gedankenaustausch.
Stand während unseres Besuchs in Ruli Juli 2008 Ja, das neue Schülerinnenwohnheim wurde mit Hilfe aus Bad Oeynhausen gebaut. Wir gaben Ende 2007 eine versprochene "Anschubfinanzierung" von 4000 Euro, damit zum von der Regierung genannten Termin der Bau begonnen werden konnte. Für die weitere Finanzierung nahmen die Lehrer persönliche Kredite auf! Wir besichtigten das Wohnheim für 240 Schülerinnen. Es besteht aus 4 großen Räumen, in denen es jeweils 15 Reihen mit 2 Etagenbetten doch wieder sehr eng machen. Aber die Mädchen haben jetzt ihr Bett für sich. Wohin in dieser Enge mit dem wenigen persönlichen Besitz der Schülerinnen, wie z.B. Kleidung? Die Lehrer wollen ein Seilsystem einrichten, mit dem die Sachen unter dem glücklicherweise ziemlich hohen Dach aufgehängt werden können. Zur Finanzierung des Wohnheimes wurde auch die Sozialkasse der APEM aufgelöst. Wir gewährten einen Kredit für ein Jahr, danach soll die Kasse wieder von den Beiträgen aufgefüllt sein. Während des üblichen Festes für uns bekamen wir als Gastgeschenk Obst, Kaffee und ein lebendes Huhn und Kaninchen. Wichtiger war aber die Rede der Schülervertreterin. Sie bedankte sich für unsere Unterstützung, zählte alles auf und fragte dann, ob wir nicht im Bereich der Informationstechnologie helfen könnten. "It is difficult to learn ICT without computers." Vielleicht ein neues Projekt? Vor einigen Jahren starteten wir mit einer uns vom Media-Markt zur Verfügung gestellten Kamera das Video-Projekt der APEM. Die Lehrer der Schule filmen damit Hochzeiten, Konfirmationen etc. und erzielen durch den Verkauf der (in Kigali) bearbeiteten Filme Einnahmen für die Schule. Diese Kamera wurde uns mit Schäden präsentiert. Die Elektronik funktionierte, die Mechanik nicht. Die Lehrer dachten über eine Reparatur nach. Nach unserer Meinung unmöglich. Dann kam erst der Grund heraus: Protogène war auf der Fahrt zu einer Hochzeit, die er filmen wollte. Der Pick-Up kam von der Straße ab und stürzte den Hang hinunter. Ein Mann starb bei diesem Unfall, Protogène wurde unter dem Auto eingeklemmt, überlebte knapp mit einigen Verletzungen, deren Narben nicht zu übersehen waren. Aber die Kamera ist kaputt. Besuch im April 2009: In Ruanda scheint auch Unmögliches zu gehen: Die Kamera funktioniert wieder! Erfreulich! Unerfreulich war eine andere Neuigkeit. Eugène, Direktor der APEM, wurde kurz vor unserem Besuch verhaftet und befand sich im Gefängnis in Gakenke. Man sagte uns, dass er in seiner kommunalpolitischen Funktion gemeinsam mit einem Lastwagenfahrer Dachbleche aus Gakenke an drei Orte in Ruli transportiert hatte, wobei er beim Abladen am späten Abend gar nicht mehr dabei gewesen war. Am nächsten Tag fehlten einige Bleche. Dafür wurde dann der Verantwortliche ins Gefängnis gesteckt. Und nun wird gewartet... Jetzt wieder zu Erfreulichem: Die von Thomas Engel in Ruanda gekauften 10 Computer konnten von uns ausprobiert werden, allerdings noch ohne Internet-Zugang. Wir hatten lange, intensive Diskussionen mit den Sprechern der Lehrer, an erster Stelle wieder Protogène. Daraus ergab sich: Der Internet-Zugang soll schnell eingerichtet werden. Die Biogas-Anlage für die Küche soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Ein Fotokopierer soll angeschafft werden, vor allem zur Herstellung von Arbeitsblättern für den Unterricht. Vielleicht kann daraus sogar ein Gewinn bringendes Projekt entstehen. Wir hatten auch die Idee, irgendwann ein überdachtes Spielfeld für Hand-, Volley- und Basketball zu errichten, möglichst mit Beleuchtung (aus Solarenergie), damit sowohl in der Regenzeit als auch abends nach Einbruch der Dunkelheit (18.30 Uhr!) gespielt werden kann.
Eine negative Meldung von der Sekundarschule APEM. "Krise in der APEM" schrieb mir jemand per Mail. Ich führte Telefongespräche. Eine Woche konnte kein Unterricht stattfinden, zwei Lehrer sind wegen "genozidärer Ideologie" verhaftet worden, darunter unser guter Bekannter Balthasar. Was soll man davon halten? Falsche Aussagen zum Genozid/Völkermord von 1994 stehen in Ruanda als "Ideologie des Genozids" unter Strafe, vielleicht vergleichbar mit der "Auschwitz-Lüge" bei uns in der Bundesrepublik Deutschland. Das ist bestimmt richtig. Aber gerade in solch einem sensiblen Bereich ist die Gefahr von Verleumdungen groß, aus welchen Gründen auch immer. Davon habe ich oft gehört. Wenn die Lehrer sich so geäußert haben, gehören sie (angemessen!) bestraft. Wenn sie verleumdet worden sind, müssen sie schnell wieder frei sein und die Verleumder (angemessen!) bestraft werden. Ist die Justiz (Behörden oder Gacaca?) in der Lage, hier Recht zu finden und zu sprechen? Die Aufarbeitung des Völkermords von 1994 ist auch nach 15 Jahren noch nicht abgeschlossen. Wie lange hat bei uns die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen gedauert? Und das unter ganz anderen Bedingungen. Die APEM unterstützen wir natürlich auch weiterhin.
Juli 2009 Kurz vor unserem Besuch in Ruli ist wurde Eugène aus dem Gefängnis entlassen. Wir luden ihn zu uns ein und er redete über die letzten Monate. Die Gefängniszeit war für ihn ganz hart, auch weil er Diabetiker ist. Vor Gericht konnte ihm kein Fehlverhalten nachgewiesen werden, deshalb ist er wieder frei. Aber seinen Job als Schulleiter hat er inzwischen verloren, die Zukunft ist unklar. Nachdem er mir seine ganze Geschichte erzählt hatte, war ich davon überzeugt, dass er verleumdet worden war. Vielleicht um ihn aus seinem Job zu drängen? Wir bekamen aber immer wieder mit, wie beliebt Eugène in der Bevölkerung ist. Auch bei unserer traditionellen Besprechung mit den Lehrern der APEM saß er wie selbstverständlich in der Mitte.
Juli/August 2010 Sascha richtet Computerraum ein Große Freude in der APEM. Sascha brauchte einige Tage und einiges an Material, dann war der Computerraum der APEM eingerichtet. Insgesamt 15 Computer funktionieren nach gründlicher Wartung wieder einwandfrei und besitzen jetzt den von Schülern und Lehrern ersehnten Internetzugang. Endlich ist die APEM an die Welt angeschlossen. Aus der Arbeit von Sascha ergibt sich ein neues Projekt. In Ruli und Umgebung fehlen Personen, die Computer und Netzwerke vernünftig einrichten und warten können. Gemeinsam mit Augustin, der Computertechnik studieren will und schon vieles kann, führt Sascha nun ein Computer-Support-Projekt durch. Indiesem Projekt sollen nicht nur die APEM-Computer betreut werden, sondern auch andere, z.B. die des Krankenhauses. Sacha und Augustin werden per Internet dabei zusammenarbeiten. Ein tolles Projekt, in das später noch zwei weitere Studenten aufgenommen werden sollen und das auch Einnahmen erzielen kann. Positive Meldung: Eugène ist wieder als Lehrer in der APEM tätig. Vor dem Empfangsfest für uns Besucher zeigten uns die Lehrer die zwei neu gebauten Laborräume mit der Grundausstattung an Materialien, die durch Unterstützung von Thomas Engel angeschafft werden konnte. Die Schule wird immer besser, ist aber noch lange nicht auch nur ansatzweise mit unseren Schulen vergleichbar. Januar 2011: Ganz erfreuliche Nachricht: Eugène ist wieder Schulleiter der APEM! Unserer Meinung nach der richtige Mann am richtigen Ort.
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| Last Updated on Sunday, 06 February 2011 18:24 |


Die Basis unserer Schulpartnerschaft war die Idee zur Unterstützung der Primarschule Ruli, die 2003 mit der Einweihung des Schulneubaus ihren bisherigen Höhepunkt erlebte.